29.05.2006, 00:16
Fußball (nebst Abart und Ausartung)
Der Fußballwahn ist eine Krank-
heit, aber selten, Gott sei Dank!
Ich kenne wen, der litt akut
an Fußballwahn und Fußballwut.
Sowie er einen Gegenstand
in Kugelform und ähnlich fand,
so trat er zu und stieß mit Kraft
ihn in die bunte Nachbarschaft.
Ob es ein Schwalbennest, ein Tiegel,
ein Käse, Globus oder Igel,
ein Krug, ein Schmuckwerk am Altar,
ein Kegelball, ein Kissen war,
und wem der Gegenstand gehörte,
das war etwas, was ihn nicht störte.
Bald trieb er eine Schweineblase,
bald steife Hüte durch die Straße.
Dann wieder mit geübtem Schwung
stieß er den Fuß in Pferdedung.
Mit Schwamm und Seife trieb er Sport.
Die Lampenkuppel brach sofort.
Das Nachtgeschirr flog zielbewußt
der Tante Berta an die Brust.
Kein Abwehrmittel wollte nützen,
nicht Stacheldraht in Stiefelspitzen,
noch Puffer, außen angebracht.
Er siegte immer, 0 zu 8,
und übte weiter frisch, fromm, frei
mit Totenkopf und Straußenei.
Erschreckt durch seine wilden Stöße,
gab man ihm nie Kartoffelklöße.
Selbst vor dem Podex und den Brüsten
der Frau ergriff ihn ein Gelüsten,
was er jedoch als Mann von Stand
aus Höflichkeit meist überwand.
Dagegen gab ein Schwartenmagen
dem Fleischer Anlaß zum Verklagen.
Was beim Gemüsemarkt geschah,
kommt einer Schlacht bei Leipzig nah.
Da schwirrten Äpfel, Apfelsinen
durch Publikum wie wilde Bienen.
Da sah man Blutorangen, Zwetschen
an blassen Wangen sich zerquetschen.
Das Eigelb überzog die Leiber,
ein Fischkorb platzte zwischen Weiber.
Kartoffeln spritzten und Zitronen.
Man duckte sich vor den Melonen.
Dem Krautkopf folgten Kürbisschüsse.
Dann donnerten die Kokosnüsse.
Genug! Als alles dies getan,
griff unser Held zum Größenwahn.
Schon schäkernd mit der U-Boots-Mine,
besann er sich auf die Lawine.
Doch als pompöser Fußballstößer
Fand er die Erde noch viel größer.
Er rang mit mancherlei Problemen.
Zunächst: Wie soll man Anlauf nehmen?
Dann schiffte er von dem Balkon
sich ein in einen Luftballon.
Und blieb von da an in der Luft,
verschollen. Hat sich selbst verpufft. -–
Ich warne euch, ihr Brüder Jahns,
vor dem Gebrauch des Fußballwahns!
J. Ringelnatz
08.06.2006, 18:51
Oh ja, da habe ich auch noch zwei:
Das Fußball Lied
von Fredl Fesl
Vierundvierzig Fußballbeine
rasen hin und rasen her
denn das Spielfeld ist begrenzt
und das macht´s besonders schwer
Manchmal bleiben sie auch stehen
oder treten nach dem Ball
das kann jeder selbst entscheiden
das ändert sich von Fall zu Fall
Einer ist meist schwarz gekleidet
hat ein Ding auf dem er pfeifft
und die Spieler sind beleidigt
wenn er in die Tasche greift
Denn da drin da hat er Karten
gelb und rot - recht gut gemischt
die zeigt er dann dem Spieler,
der auf seinen Gegner drischt
Plötzlich Müllert´s vor dem Kasten
das Volk schreit "Uwe!" wie mir scheint
da schießt der Müller glatt daneben
denn er war ja nicht gemeint
Jedes Spiel ist mal zu Ende
denn die Spieler werden matt
morgen liest man in der Zeitung
wer das Match gewonnen hat
Am Ende der Meisterschaft
weiß man wer am meisten schafft
wer der Meister ist auf der Welt
der kriegt auch das meiste Geld
Mit Geld da kann man alles kaufen
auch Menschen die dem Ball nachlaufen...
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Oder der unvergessene Heinz Erhardt:
Fußball
Vierundvierzig Beine rasen
durch die Gegend ohne Ziel,
und weil sie so rasen müssen,
nennt man das ein Rasenspiel.
Rechts und links steh’n zwei Gestelle,
je ein Spieler steht davor.
Hält den Ball er, ist ein Held er,
hält er nicht, schreit man: »Du Toooor!«
Fußball spielt man meistens immer
mit der unteren Figur.
Mit dem Kopf, obwohl’s erlaubt ist,
spielt man ihn ganz selten nur