Ich will mich nicht wirklich beschweren. Ich liebe unsere Menangerie ja abgöttisch. Unser Leben wäre ärmer, gäbe es sie nicht. Aber manchmal wär's auch schön, sie könnten uns mal Ruhe gönnen.
Gestern kam die schockierende Nachricht, dass das Pferd einer Stallkollegin sich bei einem Ritt vertreten hat - Beinbruch. Das Pferd musste an Ort und Stelle eingeschläfert werden.
Das ist um so tragischer, als dass dieses Pferd ihr alter Weggefährte war, der einfach ein freundliches und sehr erfolgreiches Pferd war. Ihre junge Stute hat seit Wochen und Monaten Probleme, steht auch auf Messers Schneide, da sie eine sehr seltene Gelenksgeschichte hat, wo die Heilungschancen nicht grad rosig aussehen. Dort wird sich in vier Wochen entscheiden, ob sie noch schmerzfrei leben kann, oder ob man sie auch einschläfern muss.
Das nimmt schon mit, weil man ja doch immer daran denkt, dass es jederzeit auch das eigene Pferd hätte sein können. Ein falscher Schritt reicht, und das so fragile Pferdebein ist irreparabel hinüber.
Nun kommen wir heute zum Stall, wollen auch den eigentlich noch schönen Herbsttag zu einem ausgiebigen Ausritt nutzen. Unsere Stallkater Teti kommt wie gewohnt beim Hören unseres Autos um die Ecke ... und er sieht ganz furchtbar aus. Sein ganzes Fell ist verklebt, er sieht zerwurschelt aus, hinkt ganz schlimm und selbst beim Begrüßungsschnurren hebt er die Pfote an.
Hmm. Mieze inspiziert, drei sichtbare Bisswunden an der Pfote, ein angefetztes Ohr, der Rest ist wohl nur Kampfgesabber. Ein Hund? Teti ist ein wenig mauer als sonst, obwohl er sich trotzdem auf's Futter stürzt. Das Pfötchen ist dicker und heiß.
Also Pferde-TA angerufen, ob die Kleintierpraxis am WE auch erreichbar ist? Nein, eigentlich nicht, aber es ist seine Frau, die Notdienst hat, er ja auch, und eigentlich könnten wir auch kommen, wenn's geht nur nicht sofort, erst später am Nachmittag. *freu* Das geht natürlich, so dramatisch ist es ja nicht, als dass er sofortiger Behandlung bedarf. Am schwersten lädiert ist sein Ego ...
Ausritt also in verkürzter Variante, was mich schon nicht mehr stört, weil ich eh in Gedanken bei der Katz bin und sich das Wetter auch grad so verschlechtert, dass es mich fast vom Pferd weht.
In der Zwischenzeit habe ich Karin um ihren Katzenkorb gebeten, den sie uns netter Weise fix vorbei bringt, die Miez auch noch begutachtet, das auch bedenklich genug für einen Sonntagsbesuch in der Tierklinik hält.
Teti hält von all dem gar nichts, ist unkooperativ und will nicht in den Korb. Mit vereinten Kräften geht's dann doch, und im Auto haben wir auf 25 Kilometern wunderbarstes Konzert. *kreisch* Er jammert und jammert, es ist zum Weinen.
Die Tierärztin ist ganz begeistert, dass es nicht so schlimm ist, wie sie befürchtet hatte, rasiert die Pfote, verarztet die Wunden. Teti hat Glück gehabt, die eine tiefe Zahnspur ist Millimeter an der Ader vorbei, das hätte mächtig geblutet. Er hat inzwischen eine fette Phlegmone, die unbehandelt bis morgen gewiss mächtig Stress verursacht hätte. *aufatmet* Die Wunde am Ohr ist auch nicht unproblematisch, da der Zwischenraum zwischen Haut und Knorpel angedötsch ist, und sich da unschön Blut ansammeln kann. Auch das wird verarztet und er bekommt zwei Spritzen Antibiotika und Schmerzmittel, und wir sind fertig.
Erst hat er noch geschnurrt, man kann ja mal 'ne nette Miez spielen, um mich dann später sanft aber energisch mehrfach in die Hand zu beißen. Mein Daumen bräuchte auch 'ne Behandlung, aber das können wir ja später ... Die Tierärztin freut sich, dass er mich gebissen hat und nicht sie, mein Mann findet das auch okay und die Miez will von uns allen nix mehr wissen, weil Salbe vom Pfötchen ablecken grad viel spannender ist.
Katze wieder in den Korb, Tierärztin gedankt und für den versauten Sonntag entschuldigt und unter Gejaule wieder zurück zum Stall. Die Katze hechelt inzwischen wie bekloppt, weil er sich so ärgert, dass er eingesperrt ist und überhaupt.
Am Stall freuen wir uns alle, dass das Theater vorbei ist, und die Miezekatze frisst wie ein Scheunendrescher, während ich seine Stoffente Piti in sein Schlafkörbchen packe (sie war aus Solidarität mitgefahren zum TA), und die Türen in die Runde alle verschließe. Er war dann total beleidigt, dass er heute Nacht in der Sattelkammer bleiben muss, weil er mit dem Pfötchen noch nicht durch den Dreck watscheln soll. Beim Salbe nachlegen wurde ich dann nochmal gebissen ...
Alles in allem war das also ein sehr beschaulicher Sonntag, wobei ich denke, es hätte schlimmer kommen können!

Ich hoffe nur, dass Teti seinen Kampf auch gewonnen hat, sich sein Ego schnell erholt, die Medikamente alle ihre Arbeit erfolgreich tun und er mir bis übermorgen verziehen hat, denn da dürfen wir die Übung "Antibiotikapille in Katze kriegen" durchführen!
