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Wochenenden sind zum Entspannen, oder?

16.10.2005, 19:57

Ich will mich nicht wirklich beschweren. Ich liebe unsere Menangerie ja abgöttisch. Unser Leben wäre ärmer, gäbe es sie nicht. Aber manchmal wär's auch schön, sie könnten uns mal Ruhe gönnen. Bild

Gestern kam die schockierende Nachricht, dass das Pferd einer Stallkollegin sich bei einem Ritt vertreten hat - Beinbruch. Das Pferd musste an Ort und Stelle eingeschläfert werden. Bild

Das ist um so tragischer, als dass dieses Pferd ihr alter Weggefährte war, der einfach ein freundliches und sehr erfolgreiches Pferd war. Ihre junge Stute hat seit Wochen und Monaten Probleme, steht auch auf Messers Schneide, da sie eine sehr seltene Gelenksgeschichte hat, wo die Heilungschancen nicht grad rosig aussehen. Dort wird sich in vier Wochen entscheiden, ob sie noch schmerzfrei leben kann, oder ob man sie auch einschläfern muss.

Das nimmt schon mit, weil man ja doch immer daran denkt, dass es jederzeit auch das eigene Pferd hätte sein können. Ein falscher Schritt reicht, und das so fragile Pferdebein ist irreparabel hinüber.

Nun kommen wir heute zum Stall, wollen auch den eigentlich noch schönen Herbsttag zu einem ausgiebigen Ausritt nutzen. Unsere Stallkater Teti kommt wie gewohnt beim Hören unseres Autos um die Ecke ... und er sieht ganz furchtbar aus. Sein ganzes Fell ist verklebt, er sieht zerwurschelt aus, hinkt ganz schlimm und selbst beim Begrüßungsschnurren hebt er die Pfote an. Bild

Hmm. Mieze inspiziert, drei sichtbare Bisswunden an der Pfote, ein angefetztes Ohr, der Rest ist wohl nur Kampfgesabber. Ein Hund? Teti ist ein wenig mauer als sonst, obwohl er sich trotzdem auf's Futter stürzt. Das Pfötchen ist dicker und heiß.

Also Pferde-TA angerufen, ob die Kleintierpraxis am WE auch erreichbar ist? Nein, eigentlich nicht, aber es ist seine Frau, die Notdienst hat, er ja auch, und eigentlich könnten wir auch kommen, wenn's geht nur nicht sofort, erst später am Nachmittag. *freu* Das geht natürlich, so dramatisch ist es ja nicht, als dass er sofortiger Behandlung bedarf. Am schwersten lädiert ist sein Ego ... Bild

Ausritt also in verkürzter Variante, was mich schon nicht mehr stört, weil ich eh in Gedanken bei der Katz bin und sich das Wetter auch grad so verschlechtert, dass es mich fast vom Pferd weht.

In der Zwischenzeit habe ich Karin um ihren Katzenkorb gebeten, den sie uns netter Weise fix vorbei bringt, die Miez auch noch begutachtet, das auch bedenklich genug für einen Sonntagsbesuch in der Tierklinik hält.

Teti hält von all dem gar nichts, ist unkooperativ und will nicht in den Korb. Mit vereinten Kräften geht's dann doch, und im Auto haben wir auf 25 Kilometern wunderbarstes Konzert. *kreisch* Er jammert und jammert, es ist zum Weinen.

Die Tierärztin ist ganz begeistert, dass es nicht so schlimm ist, wie sie befürchtet hatte, rasiert die Pfote, verarztet die Wunden. Teti hat Glück gehabt, die eine tiefe Zahnspur ist Millimeter an der Ader vorbei, das hätte mächtig geblutet. Er hat inzwischen eine fette Phlegmone, die unbehandelt bis morgen gewiss mächtig Stress verursacht hätte. *aufatmet* Die Wunde am Ohr ist auch nicht unproblematisch, da der Zwischenraum zwischen Haut und Knorpel angedötsch ist, und sich da unschön Blut ansammeln kann. Auch das wird verarztet und er bekommt zwei Spritzen Antibiotika und Schmerzmittel, und wir sind fertig.

Erst hat er noch geschnurrt, man kann ja mal 'ne nette Miez spielen, um mich dann später sanft aber energisch mehrfach in die Hand zu beißen. Mein Daumen bräuchte auch 'ne Behandlung, aber das können wir ja später ... Die Tierärztin freut sich, dass er mich gebissen hat und nicht sie, mein Mann findet das auch okay und die Miez will von uns allen nix mehr wissen, weil Salbe vom Pfötchen ablecken grad viel spannender ist. Bild

Katze wieder in den Korb, Tierärztin gedankt und für den versauten Sonntag entschuldigt und unter Gejaule wieder zurück zum Stall. Die Katze hechelt inzwischen wie bekloppt, weil er sich so ärgert, dass er eingesperrt ist und überhaupt.

Am Stall freuen wir uns alle, dass das Theater vorbei ist, und die Miezekatze frisst wie ein Scheunendrescher, während ich seine Stoffente Piti in sein Schlafkörbchen packe (sie war aus Solidarität mitgefahren zum TA), und die Türen in die Runde alle verschließe. Er war dann total beleidigt, dass er heute Nacht in der Sattelkammer bleiben muss, weil er mit dem Pfötchen noch nicht durch den Dreck watscheln soll. Beim Salbe nachlegen wurde ich dann nochmal gebissen ...

Alles in allem war das also ein sehr beschaulicher Sonntag, wobei ich denke, es hätte schlimmer kommen können! Bild Ich hoffe nur, dass Teti seinen Kampf auch gewonnen hat, sich sein Ego schnell erholt, die Medikamente alle ihre Arbeit erfolgreich tun und er mir bis übermorgen verziehen hat, denn da dürfen wir die Übung "Antibiotikapille in Katze kriegen" durchführen! Bild
Zuletzt geändert von Tigo am 16.10.2005, 20:19, insgesamt 1-mal geändert.

16.10.2005, 19:57

Re: Wochenenden sind zum Entspannen, oder?

16.10.2005, 20:52

also ab in die Wanne mit dir - entspannen mit LUSH

Re: Wochenenden sind zum Entspannen, oder?

16.10.2005, 21:04

Ist schon wahr, je mehr Lebewesen man hat, an die man sein Herz hängt, umso mehr Sorgen hat man.

Wie schnell können die Pferde sich die Beine brechen, sei es beim Ritt in der Halle, beim Ausritt, auf der Wiese, beim Festliegen oder randalieren in der Box. Leider ist diese Spezies ziemlich empfindlich. Kolik ist auch eine meiner großen Ängste. Wenn er in der Nacht auf der Wiese eine Kolik bekommt, wird am nächsten Tag jede Hilfe zu spät kommen. Wir fahren schon mindestens 3 mal am Tag an der Weide vorbei, morgens vor der Arbeit, mittags nach der Arbeit, dann natürlich, wenn wir ihn zum Reiten reinholen und anschließend abends nochmal auf dem Heimweg.

Deine Stallkollegin hat mein ganzes Mitgefühl, wenn man so einen Niederschlag erhalten hat, fällt es schwer, optimistisch zu sein und daran zu glauben, dass mit dem zweiten Pferd schon alles in Ordnung geht.

Bei uns im STall wurde im letzten Herbst eine Stute getötet, sie war nachmittags aufgefallen, weil sie unruhig war. Die Besitzer wurden sofort informiert, der Tierarzt kam, gab Spritzen, sie wurde herumgeführt, Magen-Schlund-Sonde alles mögliche. Es wurde immer schlimmer.In die Tierklinik wollte man sie nicht mehr bringen.

Die gleichen Besitzer hat das Szenario vor 2 Jahren mit ihrem Wallach schon mal durch. Der hat auf dem Weg nach Telgte vor Schmerzen den Hänger auseinandergenommen, die Spritzen, die der Tierarzt mitgegeben hatte, haben ihn nicht genügend betäubt, er musste an Ort und Stelle im Hänger getötet werden.

Bei der Stute hat der Ehemann der Besitzerin und Reiterin sie dann nach Hause geschickt und die Tötung dann mit Unterstützung der Stallkollegen überstanden.

Zwei Tage später hat er ihr einen neuen Wallach gebracht, den sie heute noch reitet. Sie sagt selber, wenn sie nicht so schnell ein neues Pferd gehabt hätte, hätte sie aufgehört zu reiten.

Ich drücke deiner STallkollegin die Daumen, dass mit ihrer Stute alles in Ordnung kommt und dass sie nicht den Mut verliert, ihr Herz an Tiere oder Menschen zu hängen, die man leider jederzeit wieder verlieren kann.

Gute Besserung auch an euren Stallkater. Zieh bloß Handschuh an, wenn du ihm seine Pille gibst.

LG - Rosebud

Re: Wochenenden sind zum Entspannen, oder?

16.10.2005, 21:37

Dido hat geschrieben:also ab in die Wanne mit dir - entspannen mit LUSH


Ich weiß bis heute nicht einmal was das ist.

Rosebud, ja, wenn man länger darüber nachdenkt, dann ist das ganze Pferdeleben voller Gefahren. *seufz* Und man steht wirklich daneben und kann nix tun. Ich hab mich selten so hilflos gefühlt, wie in dem Moment, als Shigon neben mir herwankte, nur noch aus Höflichkeit überhaupt einen Fuß vor den anderen setzte, schwitzte und dann doch fast umkippte. Ich hab wirklich gebetet, dass der TA kommt. Er hat nur 20 Minuten gebraucht, aber die kamen mir wie eine Ewigkeit vor ... Das sind Bilder und Emotionen, die man so schnell nicht vergisst.

Ach, Handschuhe brauch ich dann doch nicht, damit kann ich nämlich nicht hantieren. Teti ist eigentlich auch total freundlich, aber heute war's wohl ein bisschen viel für ihn.

Re: Wochenenden sind zum Entspannen, oder?

17.10.2005, 10:26

Oh Tigo, das ist ja eine elende Scheiße, deine arme Stallfreundin! Ich fühle mit ihr.

So schnell ist was passiert - da darf man gar nicht drüber nachdenken! Ich hoffe ganz fest für sie, dass das Stütchen sich jetzt noch ein wenig erholt!

Rosebud, mein kleines Hengstchen ist mir damals nach der Kastration an Komplikationen ganz elendig eingegangen. Sowas möchte ich nie wieder mitmachen müssen... Wenn am nächsten Tag nicht unsere Bereiterin mich quasi in die Reithose rein und aufs Pferd geprügelt hätte, würde ich heute noch auf keinem Pferd mehr sitzen!!

Re: Wochenenden sind zum Entspannen, oder?

17.10.2005, 10:29

Nina, was bin ich froh, dass unser Pony schon Wallach war, als wir ihn gekauft haben. Man kommt ja um eine Kastration nicht herum, wenn man sie einigermaßen artgerecht halten will, aber ich hab in den letzten Jahren viel über Komplikationen nach Kastrationen gehört, dass ich eine Höllenangst hätte, das machen zu lassen.

Tut mir leid wegen deinem kleinen Hengst. Wie lange ist das denn jetzt her?

LG - Rosebud

Re: Wochenenden sind zum Entspannen, oder?

17.10.2005, 10:50

Fast fünf Jahre - aber vergessen werd ich das in meinem Leben nicht.

Das war ein "Kunstfehler des Tierarztes", seine Versicherung hat mir auch meinen "Schaden" ersetzt - als könnte man je ein Tier materiell ersetzen. Aber sowas versteht auch nur ein Tierbesitzer.

Ich würde mir zwar auch jederzeit wieder einen Hengst kaufen, aber nur noch in die Klinik (Kastration im Liegen, unter Vollnarkose) fahren, sollte eine Kastration unumgänglich sein.

Re: Wochenenden sind zum Entspannen, oder?

17.10.2005, 13:57

Ja, so einen "Kunstfehler" hatten wir bei unserem Hengst auch ... Bild Da war der erste Fehler das Anbinden einer rossigen Stute vor seiner Box, der zweite Fehler ein besoffener inkompetenter Tierarzt, der trotz Röntgenaufnahme einen klaren Bruch nicht erkannte. Bild

Hoffe unserer Miez geht es gut. *sorg*

Re: Wochenenden sind zum Entspannen, oder?

17.10.2005, 14:08

Tigo hat geschrieben:Hoffe unserer Miez geht es gut. *sorg*


Bestimmt gehts Teti gut! Bild

Re: Wochenenden sind zum Entspannen, oder?

17.10.2005, 22:11

Uah, Glück gehabt! Teti geht es prächtig! Bild Das Pfötchen sieht top aus, ist gar nicht mehr geschwollen, die Wunden heilen super zu. Er ist fröhlich, ausgelassen, tollt herum, hat auch schon wieder Mäuschen gefangen und verzehrt (er hat ja schließlich arbeitsvertraglich geregelte Pflichten!) und ist kein bisschen mehr beleidigt! *freu*

Bloß gut, dass wir gestern gefahren sind, war bestimmt ganz wichtig, dass das Antibiotikum so schnell gegeben wurde!

Re: Wochenenden sind zum Entspannen, oder?

18.10.2005, 11:28

Tigo, ich bin auch immer wieder überrascht, wie schnell Antibiotika bei Katzen anschlägt. Paulchen ging es ja auch schon 2x so übel, so daß man ihm das verabreichen mußte und er hat sich immer fix erholt. Wichtig ist halt immer nur, daß man so schnell wie möglich zum Tierarzt geht.
Unser Katerchen muß gestern auch eine Rauferei gehabt haben. Er hat das rechte Pfötchen geschont und gehumpelt. Aber heut ist die Welt wieder in bester Ordnung und weil er uns so liebt, hat er uns ein totes Vögelchen vor die Tür gelegt.
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