... wollte ich haben. Wir stehen im Betrieb kurz vor dem TÜV-Audit, so dass da jetzt bis Ende des Monats der Bär steppt. Mein Chef hält es leider nicht für nötig, mich Vollzeit abzustellen, deshalb mach ich jetzt neben meinem Job noch ein bisschen Vertretung in der Zentrale (Gott sei Dank nimmt mir Karin und unsere Prokuristin ganz viel ab), und bin mit dem QS-Leiter unterwegs. Da im Büro nix wird, hab ich mir Donnerstag ganz viel Kram eingepackt, Donnerstag bis Mitternacht hier daheim gewurstelt, gestern am Morgen noch, und den Rest wollte ich heute machen.
Dadurch bin ich dann gestern ganz spät erst zum Stall gekommen. Karin hatte gedacht, ich käme nicht mehr, hatte unsere Pferde um 19.30 h schon versorgt, da war alles prima. Als ich um 21 Uhr kam, hatte Shigon ein so dickes Auge, dass er es gar nicht mehr öffnen konnte. Ich hab noch im Auto sitzend den Tierarzt gerufen.
Der kam 20 Minuten später, ich frage höflich, ob ich ihn beim Fußball gestört habe, er grinsend "Nein, wir feiern grad in den 40. Geburtstag meiner Frau rein!".
Tja, das Ergebnis ist relativ niederschmetternd. Da Shigon ja schon häufiger diese unerklärlichen Augenprobleme hatte, sieht es nun so aus, als habe er sich tatsächlich eine Periodische Augenentzündung zugezogen. Für die Laien ... Das ist eine sehr schlimme Augenerkrankung beim Pferd, die bei ausbleibender Behandlung dazu führt, dass das Tier erblindet. Die Pupille krampft sich zusammen und löst sich von allein auch nicht mehr. Je länger dieser Krampf anhält, um so mehr knittert's auch die Netzhaut, das sind dann irreparable Schäden. In erster Linie wird sowas von Leptospiren verursacht (Bakterien, die durch Nager-Urin übertragen werden), allerdings tritt das immer nur bei Pferden auf, die auch die entsprechende Allergiebereitschaft mitbringen. Da schließt sich also bei Shigon der Kreis der Allergien mal wieder. Es ist nur mit einer aufwändigen OP zu heilen, wo diverse Dinge "ausgetauscht" werden. Wird gut nur in München durchgeführt, kostet ein paar Tausend Euro. Völlig indiskutabel für mich, weil Shigon ja so allergiegebeutelt ist, dass ich da keinen Wert drin sehe, das operieren zu lassen.
Der TA hat ihm einen Entzündungshemmer gespritzt, ihm Schmerzmittel verabreicht, die Pupille mit Atropin (Belladonna) zu weiten versucht, Kortisonsalbe rein und abwarten.
Letztlich war ich irgendwann um Mitternacht daheim, und bin heute früh zu 9 wieder hingefahren. Schwellung ist weg, aber Pupille immer noch nicht wieder ganz offen. *seufz* Shigon ist - WIE IMMER!!! - gutgelaunt, so dass wir erstmal ein bisschen ausreiten. Er freut sich, marschiert fleißig und tut so, als ob nix wäre.
Ich habe SO große Hochachtung vor diesem Tier! Das sind HÖLLENSCHMERZEN, die er erleidet, und er stupst mich an und sagt "Fein, dass Du da bist, was machen wir jetzt Schönes??". Er ist unglaublich.
Ich hab jetzt nochmal Atropin nachgeladen und ihn mit dem Rest seiner Familie auf die Koppel gestellt. Das Risiko ist, dass durch das Atropin ja nun die Pupille total erweitert wurde, sich also auch bei Lichteinfall nicht mehr zusammenzieht. Eine Mütze auf dem Kopf, die die Sonne abhält, duldet er nicht, so dass ich jetzt hier auf heißen Kohlen sitze, dass es auch bitte schön bewölkt bleibt. Denn wenn die Sonne richtig scheint, kann er sich die Netzhaut vorzüglich schreddern, wenn er in die Sonne schaut ... *seufz*
Karin schaut um 5 nochmal nach ihm, ich fahre dann heute Abend nochmal hin. Und zwischendurch muss ich mal irgendwie schlafen ...
Kann das sein, dass ein einziges Tier soviel Kummer und Leid erdulden muss? Das ist so unfair.
Wir haben am Dienstag mit der ersten Akupunktur dieses Jahres begonnen, am 24. kommt erneut jemand. Das hat ihm gegen die Allergie immer relativ gut geholfen. Die Akupunkteurin ist neu, die hat der TA mitgebracht, der das sonst immer tut. Sie ist ausgebildete Tierheilpraktikerin, wohnt hier in der Nähe, so dass sich für mich die Kosten pro Akupunktur von 75 auf 45 reduzieren.
Ich habe sie nun gebeten, sich mal Gedanken über eine Konstitutionsbehandlung auf homöopathischem Wege zu machen. Heilen werden wir ihn nicht, aber vielleicht könnten wir ihm ein bisschen mehr Lebensqualität über die Sommermonate zurückgeben. Ich war so voller Hoffnung, dass nun vielleicht doch alles wieder besser wird. Und nun die Diagnose Periodische Augenentzündung - das knallt wieder mal voll rein.
Mein armer Freund!
