Paul ist mein Buntspecht. Der, den ich seit Einsetzen des Winters täglich mit Nüssen versorge. Mein Mann steht dieser Fütterung prinzipiell ein wenig skeptisch gegenüber, weil er sagt, man greife damit unnatürlich stark in die Natur ein. Aber ich habe Paul ins Herz geschlossen, er ist einfach ein putziges Kerlchen, und wenn Paul Nüsse im Winter braucht, dann soll er sie haben.
Da weder Haselnuss noch Walnussbaum dieses Jahr viel getragen haben, habe ich mich an der Natur orientiert und entsprechend auch diese Nüsse ausgelegt, zudem noch Erdnüsse und andere. Paul war täglich Gast hier, die Speisekarte war wohl okay. Ich habe ihn oftmals gehört, aber nicht häufig tatsächlich beim Aufhämmern der Nüsse erlebt; ich kann nicht den ganzen Garten vom Haus aus einsehen.
Jedes Wochenende bin ich rumgezogen und habe die Reste dieser Mahlzeiten eingesammelt, ist ja doch 'ne ganz schöne Sauerei.

Ich hab mich immer gewundert, wo das alles hin ist, weil ich nur Bruchteile gefunden habe.
Tja, nun ist der Schnee an einigen Gartenstellen schon getaut, und ich habe jetzt Pauls Futterplatz entdeckt - er speist offenbar mit Vorliebe in unserer Birne. Darunter fand ich dann heute tonnenweise Schalen der Nüsse. Grad als ich sie heimlich entsorgen wollte, steht mein Mann neben mir, schaut sich die ganzen Schalen an und fragt mich dann, ob ich noch alle Latten im Zaun habe. Dummerweise hat Paul nämlich genau dort, schön sichtbar, die Schalen der sauteuren Macadamianüsse hinterlassen, die ich ihm mal im Anflug der Verzweiflung kredenzt habe, als mir die Walnüsse ausgegangen waren. Auch die Pekanüsse mag er, wie man sehen konnte.
Wir hatten die Nüsse mal geschenkt gekriegt, herrjeh, aber dass die alte Petze meinem Mann von unserem Geheimnis so ungeniert berichtet, hätte ich nicht gedacht.
Der Hausfrieden ist inzwischen wieder hergestellt.
