Guten Abend, werte Gesellschaft! Mein Name ist Professor Dr. O'Melley. Das von hat meine Familie im Laufe der Jahrzehnte abgelegt. Man muss es nicht im Namen führen, um etwas besonderes zu sein. Sie verstehen?
Ich weile als Herr über Frau Tigo in Saxony. Als Abgesandter meiner Familie, die sich seit vielen Jahrhunderten mit der Erforschung der Spezies Mensch beschäftigt, treibe ich nun schon seit vielen Jahren in geheimem Auftrag der Großen Katze meine Studien hier. Das muss für Sie genügen, weitere Details würden das begrenzte Vorstellungsvermögen von Menschen leider sprengen.
Ich sage es Ihnen nicht gern, aber im Vergleich zu uns Katzen sind Menschen einfach lächerlich gering. Sie haben kein Fell, sie können nicht auf vier Beinen laufen, sie können ihre Nahrung nicht selbst fangen, erlegen, verzehren. Sie können keine größeren Distanzen allein zurücklegen und ihr Orientierungssinn ist legendär armselig. Was, denken Sie, hätte Columbus seinerzeit wohl entdeckt, wo wäre er gelandet, wenn nicht die Bordkatze (eine Urahnin von mir, in aller Bescheidenheit sei es angemerkt) nachts das Ruder in die Pfote genommen hätte? Naja, es ist müßig über solche Dinge lange zu philosophieren.
Mein Studienobjekt macht Fortschritte, das muss ich zugeben. Kleine zwar nur, und für die braucht sie sehr lang, aber sie ist wohl ein einigermaßen lernfähiges Exemplar ihrer Gattung. Da sie sich viele Stunden mit Ihnen beschäftigt, wende ich mich heute um Sie, um Sie um Unterstützung für mein Ansinnen zu bitten.
Wir haben vor geraumer Zeit ein neues Domizil bezogen, so dass ich nunmehr näher an einigen Katzen aus dem "Zirkel der intellektuellen Katzen mit Menschenforschungsauftrag" - kurz ZIKMF - wohne. Gleich nebenan wohnt Frau von Venus, und nur unweit entfernt lebt Bruder John. Alles schwarze Katzen, versteht sich. Die beiden kommen nun täglich, um mich zu konspirativen Treffen abzuholen. Aber niemand öffnet die Tür.
Ich erforsche ebenfalls seit mehr als einem Jahrzehnt den Mechanismus von Türen. Ihre Öffnungswinkel, die Zusammenhänge von Pfotenschlag und Geschwindigkeit ihres Öffnens, ihre Klinken. Leider werde ich von dem trivialen Weißkater, der ebenfalls hier lebt, so häufig abgelenkt, dass meine Studien noch nicht bis zum gewünschten Ende - Wie öffnet katz eine Tür eigenständig? - gekommen bin.
All meine hochintelligenten Ansinnen wurden bis dato von Frau Tigo beharrlich ignoriert. Sie begreift es nicht. Sie denkt, ich sei verliebt und heule deswegen. Sie hat KEINE Ahnung! Es geht hier um DIE große Sache! Im Namen der Großen Katze!
Und deswegen habe ich beschlossen, mich auf die Stufe des Proletariates zu begeben, so schwer mir der Abstieg auch fällt. Es dient der Sache. Es lebe die Revolution!
Ich fordere hiermit:
FREIES BESUCHSRECHT FÜR ALLE KATZEN!
Falls diese Forderung nicht binnen des nächsten Mondumlaufes erfüllt wird, werden wir einen Sitzstreik auf der Terrasse veranstalten, so dass kein Mensch mehr die Haustür erreichen wird! WIR frieren nicht! WIR können auch bei Minusgraden stundenlang dort sitzen, warten, demonstrieren! Und dabei werden wir immer wieder Lieder zu Ehren der Großen Katze singen!
MIAAAAAAAUUUUUUOOOOOOOOOUUUUUUUUUUU!!!!Unterstützen Sie mich! Formulieren Sie eine Petition, reichen Sie sie ein!
FREIES BESUCHSRECHT FÜR ALLE KATZEN! Und katzengerechte Türklinken in 10 Zentimeter Höhe vom Boden mit leichtgängigem Mechanismus!
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit! Möge die Große Katze mit Ihnen sein!
Es lebe die Revolution!
gez.
Professor Dr. O'Melley
Zuletzt geändert von Tigo am 31.01.2006, 00:33, insgesamt 1-mal geändert.