Ich hab mir erstmal ein Glas Ume-Wein von Aldi auf die Omme gehauen, jetzt bin ich erstmal etwas ruhiger.
Gytha, ja, ich bin ruhig geblieben, weil ich einfach sprachlos war. Passiert mir selten, aber dennoch.
Die Story ging ja noch weiter, das konnte ich grad gar nicht schreiben. Mutter Flodder fragte mich nämlich fröhlich, ob Elsa denn wohl fangen würde, daheim sei sie sehr fleißig gewesen. Ich sage, ich weiß nicht, schätze aber doch, habe keine Mäuse mehr gesehen im Stall und Elsa bettelt nicht um Futter.
Da sagt sie "Ja, sie musste ja auch nicht säugen! Die Jungen haben wir ja noch früh genug entdeckt, die hat E. dann weggemacht!".
Ich könnte plärren. Arme Elsie. Arme Miezen. Dann war doch wahr, was ich vermutet habe. Sie war trächtig. Und hat sie bei Flodders gekriegt, in gutem Glauben, ihre Kinder haben's dort auch wieder gut, weil beim letzten Wurf war ja alles paletti. Und dann machen sie sie tot!
Kein Wunder, dass sie sofort ausgezogen ist und bei uns eingezogen ist. Die Zeiten decken sich ziemlich genau. Das spricht für ihren Charakter.
Elsie ist eine Powerbraut. Ihr würdet sie lieben. Ich muss mal sehen, dass ich Fotos schieße von ihr. Sie sieht eigentlich genau aus wie unser Teti, ich vermute es sind eh Geschwister. Teti ist rotgetigert, sie grau, weißes Lätzchen, weiße Pfoten. Und Elsie hat einen ganz kecken schwarzen Fleck auf der Nase. Insgesamt ist sie ein Winzling an Kätzin, sie mag vielleicht grade mal drei Kilo wiegen.
Ich habe grade mit Karin telefoniert, Freundin, Arbeitskollegin, Stallkollegin; allerdings steht ihr Pferd an einem anderen Stalltrakt des selben Vereins, ca. 1.000 Meter entfernt von uns. Sie hat vor etwas über einem Jahr einen der Stallkater mit heimgenommen. Der röchelte wüst vor sich hin, spuckte Eiter aus allen Körperöffnungen und war so gut wie tot. Er war wochenlang in der Tierklinik, er hatte eine schwere Lungenentzündung, war wirklich kurz vor dem Tod. Willi hat überlebt, lebt seither daheim bei Karin, weil er das Leben im Stall im Winter nicht mehr überstehen würde, er ist auch nach wie vor behandlungsbedürftig, hat eine saftige Allergie auf die Atemwegsdefekte entwickelt. Das hat auch Unsummen verschlungen. Als wir damals am Stall fragten, ob sich jemand beteiligen würde (es war immerhin eigentlich der Stallkater!), sagte eine der Damen dort wörtlich "Hätteste ihn mal hiergelassen, dann hätte sich das kostenlos erledigt!".
Ich musste ihr wochenlang aus dem Weg gehen, sonst hätte ich sie angespuckt.
Karin war ebenso entsetzt wie ich. Aber trotz eigener kranker Mieze, einer trächtigen Stute und chronischer Geldknappheit war ihre prompte Reaktion "Das biegen wir Deinem Mann schon bei. Ich beteilige mich auf jeden Fall, das ist wohl klar! Wann sollen wir sie zur Klinik fahren?".
Ich bin froh, dass ich solche Menschen kenne. Sie wiegen ein paar von den Mistkäfern doch auf.
Ich bin noch immer völlig von der Rolle.