Leider nicht von mir, sondern
http://www.muenchhausen.at entnommen:
Katzen sind graziöse, geschmeidige Tiere. Ihre Bewegungen sind harmonisch, ihr Gleichgewichtssinn außergewöhnlich. Sie sind die perfekten Jäger, lautlose Tötungsmaschinen.
Sagt wer? Jedenfalls niemand, der bei mir zu Besuch war. Ich erzähle meinen Gästen, dass die beiden Lebewesen zwar Katzen unglaublich ähnlich sehen, aber eine seltene brasilianische Meerschweinchenart sind. Damit bin ich erst mal aus dem Schneider.
Meine Katzen weigern sich beharrlich, die für ihre Gattung geltenden Mindeststandards zu erfüllen.
In Universum-Dokumentationen kann ich staunend mitverfolgen, wie eine durchschnittliche Hauskatze, die sich in nichts von meinen Meerschweinchen unterscheidet, mit einem Sprung mühelos eine Höhendifferenz von 1,5 Meter überwindet, punktgenau auf einem Mauervorsprung von der Fläche einer Zigarettenschachtel landet, um von dort mit einem weiteren Sprung den restlichen Meter bis zum Ende der Mauer zu bezwingen. Oben angekommen blickt sie mit einem demonstrativ gelangweilten Gesichtsausdruck in die Kamera, als wollte sie sagen "So, aber morgen mach ich was wirklich schweres".
Einer der Lieblingsschlafplätze unseres Katers ist das Hochbett meines Sohnes. Ein Kinderbett, ca. einen Meter hoch ist der Ausgangspunkt für eine Szene, die die Seriosität wissenschaftlicher Studien über Katzen in Frage stellt. "Das Tier" visiert die Oberkante an, indem er seinen Kopf einmal auf die eine Seite und dann wieder auf die andere dreht. Ich habe einmal gelesen, dass Katzen auf diese Art eine genaue räumliche Vorstellung von ihrem Ziel bekommen, ihr Gehirn so die genaue Entfernung berechnen kann. So ähnlich wie beim Terminator - "Target locked!" am Display. Seine Hinterläufe justieren ein letztes Mal die optimale Absprungposition nach, alle Muskeln spannen sich, er duckt ab...und springt. Wie eine Bogensehne schnellt sein Körper elegant nach oben.
Entweder hat irgendein Fließkommafehler in seinem Berechnungscomputer dazu geführt, dass er die Höhe falsch eingeschätzt hat, oder er ist ganz einfach nur zu fett. Jedenfalls springt er zu kurz. "Das Tier" hakt sich mit den Vorderpfoten auf der Matratze ein und er hängt wie ein nasser Sack an der Bettkante. Da seine Hinterläufe keinen Halt finden, bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich mit den Vorderpfoten weiterzuziehen. Das funktioniert solange, bis er sich auf der Bettdecke einhakt. Das Gewicht der Decke in Kombination mit dem Reibungswiderstand, den ihre große Auflagefläche bietet, reicht aus, um kombinationslose acht Kilo Kater für zwei Sekunden in der Luft zu halten, dann reicht es der Schwerkraft. Wenn Katzen fallen, dann kommen sie immer auf den Füßen auf?
Vielleicht hat der Satz in einer anderen Situation, mit einer anderen Katze, in einem anderen Universum seine Gültigkeit. Das Tier knallt mit dem Rücken am Boden auf und gleich danach breitet eine dünne Tagesdecke einen gnädigen Mantel über dieses unwürdige Schauspiel. Als "das Tier" Sekunden später darunter hervorkommt, blickt er mich mit einem demonstrativ vorwurfsvollen Gesichtsausdruck an, als wollte er sagen "Du hast es gewusst und nichts dagegen unternommen!", bevor er sich mit einem geschmeidigen Sprung auf der 40 cm hohen Couch niederlässt. Er sollte mir stattdessen danken, dass ich ihm nicht die Krallen schneide, sonst würde er - der Möglichkeit beraubt, sich einzuhaken - von seinem eigenen Schwung unter das Bett gezogen werden, dort einen Salto schlagen und an der Wand zerschellen.
Es gibt kein Ziel, an dem meine Katzen nicht vorbeigeschossen wären. Ob eine Strecke horizontal oder vertikal zu überwinden war, spielt in der
Gesamtbilanz keine Rolle.
Sie verweigern sich seit Jahren der Erkenntnis, dass beim Satz von einem Stuhl auf den anderen, nicht die gesamte Energie in den Vortrieb fließt, sondern ein Teil davon als Rückstoß den Ausgangspunkt verschiebt. Und das was hinten dazukommt, geht dann vorne ab. Warum wissen das andere Katzen?
Haben sie ein Diplom in technischer Physik? Nein, sie haben einfach aus
Fehlern gelernt!
Dabei sind "das Tier" und "Sie" sonst durchaus lernfähig. Sie wissen, wie
eine Gourmet-Dose kling, wenn sie aufgerissen wird, noch bevor man sie
aufreißt. Damit kann ich zwar nicht vor meinen Gästen prahlen, ist aber
trotzdem faszinierend.
Zuletzt geändert von Gytha am 05.07.2005, 20:58, insgesamt 1-mal geändert.