Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass jeder Tierbesitzer in der Lage ist, mit seinen Tieren zu kommunizieren. Natürlich spricht mein Pferd nicht mit meinen Worten mit mir, auch wenn ich sie ihm in den Mund lege. Aber ich merke doch, ob er sich wohlfühlt, ob er gute oder schlechte Laune hat, ob er ängstlich ist, unruhig, in sich ruht, ob er verschiedene Arbeit mag oder nicht mag, ob der Sattel zwickt, ob das Gebiss ihm sitzt. Er hat 1000 Möglichkeiten, mir das nonverbal mitzuteilen. Es liegt an mir, ob ich mich darauf sensibilisiere, oder ob ich ihn wie ein Sportgerät abhandel.
Ich behaupte, dass niemand meine Tiere so gut kennt wie ich. Das berücksichtigen sogar meine rein schulmedizinischen Tierärzte, die immer wieder betonen, dass oftmals nur die Beobachtungsgabe der Besitzer ausschlaggebend sind. Ich muss mich nur selbst davon freimachen, das zu "hören", was ich hören will. Manchmal "sagen" die Tiere uns eben auch Dinge, die für uns nicht so schmeichelhaft sind. Diese Objektivität fehlt uns vielleicht, aber die kann ich kriegen.
Von daher erschließt sich mir nicht ganz, warum ich einen "Übersetzer" einschalten sollte. Und ehrlich - ein Tier in Natura, ja. Von mir aus auch noch über Video oder sonstwas. Aber nur über ein Foto? Das widerstrebt mir zu glauben. Weil ich damit nichts von der Persönlichkeit des Individuums einfange. Damit habe ich nur Farbe auf Papier, aber keine Emotionen. Die interpretiere ich dann vielleicht hinein. Das ist der Punkt, an dem ich innerlich streike.
Shigon, um bei dem Beispiel zu bleiben, ist sehr eifersüchtig. Wenn ich nicht zuerst in seine Box gehe, sondern zu seiner Mutter, dann steht er die ganze Zeit unbeweglich mit der Nase an den Gitterstäben, schaut mich grimmig an und schrappt mit den Zähnen an den Gitterstäben entlang. Das nervt immens, aber ich kann ihm das nicht plausibel machen. Also gehe ich halt kurz zuerst zu ihm rein, kraul ihn kurz, geb ihm seine homöopathischen Tropfen gleich auf einem Stück Brot und dann ist auch Ruhe im Schacht.
Shigon ist weiterhin super stark auf mich fixiert. Wenn ich mal ein paar Tage nicht zum Stall kann oder will, fängt er an weinerlich zu werden. Mein Mann fasst das kurz zusammen in "Der braucht DICH, sonst keinen!". Es läßt sich nicht immer umgehen, ich kann nicht 7 Tage pro Woche da sein, aber ich bemühe mich. Seine schlimmen neuralgischen Schübe hat er übrigens immer bekommen, wenn wir im Urlaub waren. Wir fahren schon nur noch maximal 10 Tage, da muss er einfach durch. Aber die Zusammenhänge sind sehr klar.
Ich will nicht behaupten, dass ich perfekt im Umgang mit meinen Tieren bin. Aber wenn ich mir ein bisschen Mühe gebe, dann komm ich mit ihren Aussagen zurecht.
Das bedeutet aber trotzdem nicht, dass ich sie heilen kann. Ich bin mit Shigon durch die Hölle gegangen. Wir haben aufwendige Untersuchungen für teures Geld in der Tierklinik machen lassen (knapp 1.000 Euro), wir haben eine "Ferntherapeutin" auf der homöopathischen Schiene nach 300 Euro wieder fallengelassen, wir haben die Tierärzte gemartert. Im Endergebnis hat uns nur eines in Ansätzen geholfen - meine eigenen Studien. Ich habe monatelang gelesen, Tag und Nacht. Wieso schüttelt das Pferd ständig den Kopf, wieso schlägt es sich den Kopf blutig? Und wieso tut er das im Stall und beim Reiten? Nicht aber auf der Koppel?
Es war ein langer langer Weg, voller Tränen, weil ich so hilflos neben meinem Freund stand, ihm nicht helfen konnte. Und dann haben wir das von hinten aufgezäumt. Er war mal ein paar Wochen hypernervös, hysterisch. Was war da los? Und was kann es für Ursachen gehabt haben? Tja, und langsam kamen wir dann Richtung Herpes. Er war immer geimpft, weil es Pflichtimpfe am Zuchtstall war. Ich habe dann aufgehört impfen zu lassen, weil kein Zuchtstall mehr. Und 6 Monate danach fing das Theater an. Herpestest machen lassen, und siehe da, der war positiv. Damit erklärten sich auch seine Atemwegsbeschwerden bzw. die langanhaltende Bronchitis plötzlich. Und der Rest war dann ein Kunststück. Herpesviren verkriechen sich am Trigeminus, fressen ihn an, schädigen ihn. Die feinen Nervenenden des Trigeminus enden in der Nasennebenhöhle, führen zu einer erhöhten Allergiebereitschaft der Schleimhäute. Ein Pferd kann nicht niesen, hat aber den Juckreiz. Also schlägt es mit dem Kopf, um den Juckreiz loszuwerden.
Und wenn es auf der Koppel grast, dann sind die Tasthaare in Dauerkontakt mit der Erde, es entsteht eine Reizüberflutung, sie leiten nix mehr weiter. Deswegen nie auf der Koppel, aber im Stall und beim Reiten.
Wir haben dann mit Akupunktur begonnen im letzten Winter und hatten damit gute Erfolge. Bei einigen Nadeln hat er genau diese Zuckbewegungen gemacht, wie sonst beim Schütteln. Treffer!

Er steht sehr geduldig mit den Nadeln herum, hat auch nicht gemurrt, als ich selbst mal unter Anleitung genadelt habe, obwohl ich bestimmt schlimm gestümpert habe.
Alles weitere habe ich mit homöopathischen Mitteln behandelt, die ich mir ebenfalls selbst in aufwendigen Studien rausgefitzt habe. Zudem habe ich dann zum Reiten im Sommer die Idee mit den Tasthaaren abgekupfert. Er hat jetzt ein Netz um die Nase, das die Tasthaare nach hinten biegt. Damit erziele ich den gleichen Effekt wie auf der Koppel.
Es ist keine Heilung, es ist nur eine Krücke. Aber es funktioniert. Mein Pferd geht seither auch ohne Halfter auf die Koppel, weil er mir gesagt hat, dass ihm das unangenehm ist, das reizt den Trigeminus zusätzlich. Okay, können wir einrichten.
Schulmedizinisch ist mein Pferd seit zwei Jahren tot. Austherapiert, unheilbar. Damit wollte ich mich nicht zufrieden geben. Damit werde ich mich niemals zufrieden geben. Und so geht meine Forschung weiter. Den Pollenkalender brauchen wir nicht mehr, es sind keine spezifischen Pollen, es ist einfach die Pollen- und Staubbelastung überhaupt. Den Tagesformkalender führe ich auch nicht mehr, das mach ich inzwischen aus dem Gefühl heraus.
Shigon war mir immer ein guter Helfer auf dem langen Weg. Im ersten Sommer habe ich ihm ein homöopathisches Mittel gespritzt, habe damit die allergischen Erscheinungen zu behandeln versucht. Da war ich noch nicht auf die TN gekommen. Er hat immer super stillgehalten. Er stand frei in seiner Box, ich habe desinfiziert, gespritzt, er hat stillgehalten.
Zuerst wirkte das Zeug gut, dann ließ die Wirkung sichtlich nach. Ich habe dennoch weitergespritzt, weil ich auch nix besseres wusste. Eines Tages komm ich mit meinem Spritzchen an, Shigon stellt sich auch erst hin, ich setze die Spritze an, er dreht den Kopf zu mir, zuckt mit den Ohren, stupst mich an, und sobald die Nadel an sein Fell kam, hat er wie wild mit dem Fell gezuckt. Nadel weg, Pferd ruhig. Das haben wir 5 x gespielt, und dann hab ich gesagt "Soll ich's lassen, Männlein? Hilft es nicht?", und er hat mir ins Ohr gepustet "Ja, laß es!".

Aber durch das Fellzucken bin ich dann auf die Nervenprobleme gekommen ...
Lange Rede, wenig Sinn, oder?

Wollte nur damit sagen, dass ich selbst täglich mit meinen Tieren kommuniziere. Nur hat es oftmals so den nebulösen Anschein, es sei etwas ganz spezielles, wenn man dem so wichtige Namen wie "Tierkommunikator" gibt. Das stört mich, weil es damit unweigerlich in so'ne Eso-Ecke geschoben wird, die mir persönlich nicht schmeckt.
Soviel wolltet ihr gar nicht wissen, oder?
